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Erfolgreiche Verteidigung im Jugendstrafrecht: Tipps

  • Autorenbild: Joemie Missfeldt
    Joemie Missfeldt
  • 9. Nov.
  • 3 Min. Lesezeit

Jugendliche, die mit dem Strafrecht in Berührung kommen, stehen vor besonderen Herausforderungen. Das Jugendstrafrecht verfolgt andere Ziele als das Erwachsenenstrafrecht: Es will nicht nur bestrafen, sondern vor allem erziehen und resozialisieren. Trotzdem ist eine starke und gut vorbereitete Verteidigung entscheidend, um die bestmöglichen Ergebnisse für den jungen Menschen zu erreichen. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie eine erfolgreiche Verteidigung im Jugendstrafrecht aussehen kann und welche Strategien dabei helfen.


Nahaufnahme eines Gerichtssaals mit Fokus auf den Verteidiger und den jugendlichen Angeklagten
Verteidiger berät jugendlichen Angeklagten im Gerichtssaal

Die Besonderheiten des Jugendstrafrechts verstehen


Das Jugendstrafrecht unterscheidet sich in mehreren Punkten vom Erwachsenenstrafrecht. Es gilt für Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren sowie in bestimmten Fällen für Heranwachsende bis 20 Jahre. Die Maßnahmen sind stärker auf Erziehung und Wiedereingliederung ausgerichtet.


Wichtig ist zu wissen:


  • Erziehung statt Strafe: Das Jugendgericht kann Erziehungsmaßregeln anordnen, wie Weisungen oder die Teilnahme an sozialen Trainingskursen.

  • Verhältnismäßigkeit: Sanktionen sollen dem Entwicklungsstand des Jugendlichen entsprechen.

  • Verfahrensablauf: Das Verfahren ist oft weniger formal, aber dennoch ernsthaft und gründlich.


Diese Besonderheiten beeinflussen die Verteidigungsstrategie maßgeblich.


Frühzeitige Einschaltung eines erfahrenen Verteidigers


Eine der wichtigsten Maßnahmen ist die frühzeitige Beauftragung eines Verteidigers, der sich auf Jugendstrafrecht spezialisiert hat. Ein erfahrener Anwalt kann:


  • Die Rechte des Jugendlichen von Anfang an schützen.

  • Die Ermittlungen kritisch begleiten und Akteneinsicht beantragen.

  • Auf mögliche Verfahrensfehler achten.

  • Mit der Staatsanwaltschaft und dem Gericht verhandeln.


Je früher der Verteidiger involviert ist, desto besser kann er Einfluss auf den Verlauf des Verfahrens nehmen.


Die Rolle der Eltern und Erziehungsberechtigten


Eltern oder Erziehungsberechtigte spielen eine wichtige Rolle bei der Verteidigung. Sie sollten:


  • Den Jugendlichen unterstützen und beruhigen.

  • Den Kontakt zum Verteidiger herstellen und begleiten.

  • Offen mit dem Verteidiger kommunizieren, auch über familiäre Hintergründe.

  • Bei Terminen präsent sein, um den Jugendlichen zu stärken.


Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Familie und Verteidigung verbessert die Chancen auf eine positive Lösung.


Vorbereitung auf die Verhandlung


Die Verhandlung vor dem Jugendgericht ist ein entscheidender Moment. Eine gute Vorbereitung umfasst:


  • Aufklärung des Jugendlichen: Er muss verstehen, was auf ihn zukommt und welche Fragen gestellt werden könnten.

  • Übung von Aussagen: Der Verteidiger kann mit dem Jugendlichen mögliche Antworten durchgehen, um Unsicherheiten zu nehmen.

  • Beweisanträge prüfen: Welche Beweise können entlasten oder mildern?

  • Zeugen benennen: Gibt es Personen, die den Jugendlichen entlasten können?


Diese Vorbereitung hilft, Nervosität abzubauen und die Verhandlung selbstbewusst zu bestehen.


Alternative Maßnahmen und außergerichtliche Einigungen


Das Jugendstrafrecht bietet oft die Möglichkeit, Verfahren durch alternative Maßnahmen zu beenden. Dazu gehören:


  • Erziehungsmaßregeln wie Sozialstunden oder Anti-Gewalt-Trainings.

  • Verwarnungen mit Strafvorbehalt, bei denen das Verfahren eingestellt wird, wenn der Jugendliche sich bewährt.

  • Vergleichsverhandlungen mit der Staatsanwaltschaft.


Der Verteidiger kann solche Optionen frühzeitig anregen und so eine Gerichtsverhandlung vermeiden oder abkürzen.


Umgang mit psychologischen Gutachten


In vielen Jugendstrafverfahren werden psychologische Gutachten eingeholt, um die Reife und das Verhalten des Jugendlichen besser einzuschätzen. Diese Gutachten haben großen Einfluss auf das Urteil.


Tipps zum Umgang:


  • Den Gutachter frühzeitig kennenlernen und mit dem Verteidiger besprechen.

  • Eigene Gutachten oder Stellungnahmen beauftragen, wenn Zweifel an der Objektivität bestehen.

  • Die Ergebnisse im Verfahren gezielt nutzen, um mildernde Umstände zu betonen.


Gutachten können helfen, die Persönlichkeit des Jugendlichen positiv darzustellen.


Nach der Verhandlung: Wiedereingliederung unterstützen


Die Verteidigung endet nicht mit dem Urteil. Gerade im Jugendstrafrecht ist die Wiedereingliederung zentral. Der Verteidiger kann:


  • Kontakte zu sozialen Einrichtungen oder Beratungsstellen vermitteln.

  • Über Möglichkeiten der Resozialisierung informieren.

  • Bei der Umsetzung von Auflagen begleiten.


Eine nachhaltige Unterstützung hilft dem Jugendlichen, aus Fehlern zu lernen und neue Perspektiven zu entwickeln.


Praktische Beispiele aus der Verteidigungspraxis


Ein Beispiel zeigt, wie wichtig eine individuelle Verteidigung ist: Ein 16-jähriger Jugendlicher wurde wegen Diebstahls angeklagt. Durch intensive Gespräche mit dem Verteidiger und die Einbindung der Familie konnte eine Sozialstundenauflage erreicht werden. Zusätzlich wurde ein Anti-Gewalt-Training besucht. Das Verfahren wurde eingestellt, und der Jugendliche erhielt eine zweite Chance.


Ein anderes Beispiel betrifft einen 17-Jährigen, der wegen Körperverletzung vor Gericht stand. Hier half ein psychologisches Gutachten, das eine eingeschränkte Einsichtsfähigkeit belegte. Das Gericht ordnete eine Therapie an, statt einer Freiheitsstrafe.


Diese Fälle zeigen, wie wichtig eine maßgeschneiderte Verteidigung ist.


Wichtige Tipps für Eltern und Jugendliche


  • Suchen Sie frühzeitig rechtlichen Beistand.

  • Seien Sie ehrlich und offen mit dem Verteidiger.

  • Bereiten Sie sich gut auf Gespräche und Verhandlungen vor.

  • Nutzen Sie alle Möglichkeiten der außergerichtlichen Einigung.

  • Unterstützen Sie den Jugendlichen emotional und praktisch.

  • Bleiben Sie geduldig und fokussiert auf die Zukunft.


Fazit


Eine erfolgreiche Verteidigung im Jugendstrafrecht erfordert Fachwissen, Erfahrung und eine enge Zusammenarbeit zwischen Verteidiger, Jugendlichen und Familie. Die Verteidigung sollte nicht nur auf die Vermeidung von Strafen abzielen, sondern auch auf die Förderung der persönlichen Entwicklung und Wiedereingliederung. Mit der richtigen Strategie und Unterstützung lassen sich oft positive Ergebnisse erzielen, die dem Jugendlichen eine neue Chance bieten.


Wer mit einem Jugendstrafverfahren konfrontiert ist, sollte nicht zögern, professionelle Hilfe zu suchen und aktiv an der Verteidigung mitzuwirken. So kann der Weg zurück in ein normales Leben gelingen.

 
 
 

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